Die "Islamisierung" Jugendlicher und die Verantwortung westlicher Politiker

Quelle: flickr.com
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In Talkshows ging es in der Vergangenheit immer wieder um die „Radikalisierung“ von Jugendlichen. Ablehnung in der Gesellschaft, Perspektivlosigkeit und der Einfluss von radikalen Predigern im Internet spielen dabei mit Sicherheit eine große Rolle. Doch spielen nicht andere Faktoren eine viel größere Rolle?

Über die Radikalisierung von Jugendlichen wird und wurde viel berichtet. Obwohl sich Jugendliche auf verschiedenste Weise radikalisieren, sei es links oder rechtsradikal, wird oft nur über die sogenannte "Islamisierung" berichtet.

 

In diversen Talk-Shows oder Reportagen werden meist Psychologen befragt. Diese sollen soziologisch ergründen, warum Jugendliche nach Syrien reisen oder Anschläge verüben. Oft werden auch Interviews mit Familienmitgliedern der "Islamisten" geführt, die in den meisten Fällen vorgeben, die Veränderung des Angehörigen gar nicht bemerkt zu haben.

Analysiert man den Hintergrund der "radikalen Jugendlichen" scheinen die meisten von ihnen ein Leben zu leben, was nicht besonders religiös ist. Sie nehmen Drogen und gehen auf Partys. Das Umfeld der radikalen Muslime habe diese vorerst nicht als besonders gottesfürchtig wahrgenommen. Als Ursache für die Radikalisierung wird meist ein sozial schwaches Umfeld in Kombination mit Schicksalsschlägen und der Flucht in ein radikales Umfeld ergründet. Dazu kommt, dass radikale Muslime oft religiös ungebildet sind.

 

„Wer den Wind sät...“

Doch kein einziges Mal wird über ein Zusammenhang von Kriegen im Nahen Osten und Terrorismus in Europa gesprochen. Die Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 waren mehrere Kriege mit fast 2 Millionen Toten im Nahen Osten. Die Reaktionen auf die Anschläge in Frankreich waren verstärkte Luftangriffe in Syrien. Von dem Leid, welches in diesen Ländern herrscht wird nicht oft berichtet. Es sei denn es wird dadurch möglich politische Gegner wie Russland zu denunzieren.

 

 

Und dennoch sind wir empört wenn Leute "unsere Länder" terrorisieren. Man kann nicht über Jahrzehnte die komplette Infrastruktur mehrerer Länder zerstören und Hunderttausende Unschuldige töten und dann empört sein, wenn Menschen in der selben Weise reagieren.

 

Würden Wir denn anders reagieren?

Man stelle sich einmal vor irakische und syrische Streitkräfte hätten Deutschland in Schutt und Asche gelegt. Mit einem Vorwand der nachweisbar erfunden war. Hunderttausende Deutsche sterben. In Frankreich wird durch einen iranischen Geheimdienst ein Regimewechsel herbeigeführt, wodurch die Bevölkerung verarmt. Als die Bevölkerung sich dagegen wehrt und in Frankreich erstmals wieder eine Regierung herrscht die Rückhalt in der Bevölkerung findet, überzieht man das Land mit Sanktionen. In Großbritannien, marschiert eine Militärkoalition des Nahen Ostens ein um Demokratie und Menschenrechte zu bringen. Was sie in Wahrheit bringen sind jedoch Verarmung, Erstarkung des Terrors, eine Menge Tote, Vergewaltigungen, Ausbeutung und vieles mehr. Auch Länder wie Polen oder Spanien bleiben nicht verschont. In ihnen werden Kriege geführt, gegen eine übermächtige Armee, die dem Völkerrecht zu wider handelt. Warum das Ganze? Um die Ressourcen zu erbeuten, die sich in Europa befinden. Damit die Menschen im Nahen Osten weiter in Luxus und Reichtum leben können.

 

Nachdem das Leid in Europa nun schon Jahrzehnte andauert, begehen einige Europäer den selben Fehler wie ihre Besatzungsmächte und töten Zivilisten im Nahen Osten. Was ist die Folge? Die Politiker des Nahen Ostens bezeichnen diese Morde als grausam, sie sehen den Fehler im Christentum und stellen fortan Angehörige dieser Religion unter Generalverdacht. Die
führende Riege der Politik kündigt Rache an und reagiert mit der Tötung von einer noch höheren Zahl an Unschuldigen in Europa. Und damit nicht genug. Sie benutzen die Anschläge als
Entschuldigung für ihre illegalen Kriege in Europa und hetzen die Bevölkerung gezielt auf.

 

Wann hört das Ganze auf?

Wir in Europa sehen uns durch diese illegalen Kriege mit vielen Problemen konfrontiert. Durch die hohe Zuwanderung von Flüchtlingen spaltet sich die Gesellschaft. Mit Sicherheit haben viele dieser Menschen keine andere Wahl als zu fliehen. Dennoch fällt es vielen Europäern nicht leicht auf diese Veränderung zu reagieren. Es prallen verschiedene Kulturen und Weltanschauungen aufeinander. Dies führt immer zu Problemen. Eine unkontrollierte und unbegrenzte Zuwanderung wird auf kurz oder lang zu gravierenden Problemen innerhalb der Gesellschaft führen. Selbst wenn man selbst Flüchtlinge mit offenen Armen empfängt, wird es immer Menschen geben die dies nicht tun. Und dieses Problemen wird nicht gelöst indem man immer noch mehr Flüchtlinge aufnimmt.

 

Terrorismus ist eine weitere Folge der Kriege im nahen Osten. Junge Menschen, die live im Internet beobachten können, wie ihre Heimat auf brutale Art und Weise zerstört wird radikalisieren sich. Manchen Menschen wird durch einen Luftangriff ihre ganze Familie genommen. Ist es denn nicht völlig normal, dass diese Menschen Wut und Aggression empfinden? Diese entlädt sich im Endeffekt an der europäischen Zivilgesellschaft oder sie dient dem IS als Zulauf.

 

 

Leider wird der islamische Dialog im Internet zum großen Teil nur den Radikalen überlassen. Saudi-Arabien gibt jedes Jahr Unmengen an Geld aus, um den Wahhabismus zu verbreiten. Eine Strömung des Islam, die der Ideologie des IS gleicht.

 

Gibt es denn überhaupt eine Lösung?

 

Selbst wenn man die Kriege sofort beenden würde, würden Leid, Hass und Trauer die Gefühlswelt der meisten Menschen im Nahen Osten prägen. Zudem kommt, dass durch die jahrzehntelange Militärintervention im Nahen Osten mittlerweile Konflikte innerhalb der Länder schwelen. Trotzdem wäre der richtige Schritt.

 

Wichtig ist außerdem, dass man die islamische Bildung vorantreibt. Viele Radikale verlassen sich blind auf das, was ihnen im Internet gesagt wird. Weil es ihnen endlich eine Perspektive gibt, hinterfragen sie nicht. Es gibt nun etwas, für das sie kämpfen können. Was ihnen Ruhm und Anerkennung verschafft. Den Dialog über solche Themen müssen wir alle zusammen angehen, denn eine gespaltene Gesellschaft wird nur weitere Konflikte hervorbringen.

 


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