Nationalismus/Patriotismus & Islam

Immer wieder möchten Eltern ihren Kindern die Heirat mit einem Menschen verbieten weil dieser Angehöriger einer anderen Nationalität ist. Dürfen sie das überhaupt und begehen sie

möglicherweise sogar eine Sünde? Fragen wie diese möchte ich mit Hilfe von Ayat

und Hadithen in diesem Artikel beantworten.

Inhaltsverzeichnis

 

1. Was ist Patriotismus? Wie wird dieses Phänomen in Koran und Sunna beschrieben?

 

2. Welche Kriterien sind bei der Auswahl des Ehepartners von Priorität?

 

3. Grundsätzliches Verhalten gegenüber den Eltern

 

4. Wie sollte man seinen Eltern entgegnen, wenn diese eine Heirat auf Grund der Nationalität des Ehepartners verbieten?

 

 

1. Was ist Patriotismus? Wie wird dieses Phänomen in Koran und Sunna beschrieben?

 

 

Im Namen Gottes,
des Allerbarmers, des Barmherzigen

 

In diesem ersten Teil der Abhandlung

soll vorerst geklärt werden, was Patriotismus, beziehungsweise Nationalismus überhaupt ist.

Außerdem werde ich vorweg Ayat und Hadithe anführen, damit man

schon einmal ein Einblick in das hier behandelte Thema erhalten kann. Die

gesamte Abhandlung beschäftigt sich mit dem Patriotismus in einer islamischen

Gesellschaft, im besonderen Hinblick darauf, wie man seinen Eltern begegnen

sollte, wenn diese eine Heirat aus nationalistischen Beweggründen verbieten.

 

Der Patriotismus beschreibt eine

emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation. Viele Patrioten empfinden die

eigene Nation als höherwertig gegenüber anderen und haben den Wunsch, ihr

Umfeld nach ihren eigenen kulturellen Vorlieben zu formen. Es gibt viele

Muslime, die darin keine Problematik sehen, doch der Patriotismus ist eine

Schwierigkeit, welche große Teile der islamischen Gesellschaft betrifft. Eine

hohe Anzahl der Muslime richten ihr Leben nicht länger nach der Lehre des Islam

aus, sondern nach den Dogmen ihrer Kultur - ohne es zu bemerken. So empfinden

es viele Eltern als erniedrigend, wenn ihr Kind jemanden heiraten möchte, der

kein Angehöriger des eigenen Stammes / des Landes ist.

 

Bevor ich mit Hilfe von Ayat und

Hadithen beweisen möchte, dass dies ein unislamisches Verhalten ist, muss

klargestellt werden, dass Gott im Koran die Menschen nie nach Nationen

klassifiziert. Gott spricht die Menschen als Muslime an, als Götzendiener oder

Ungläubige, aber nie unterscheidet er sie aufgrund ihrer Herkunft - auch die

Propheten taten dies nicht:

 

22:78

Und eifert in Allahs Sache, wie dafür geeifert werden soll. Er

hat euch erwählt und hat euch keine Härte auferlegt in der Religion; (folget)

dem Bekenntnis eures Vaters Abraham. Er ist es, Der euch vordem schon Muslims nannte und (nun) in

diesem (Buche), damit der Gesandte Zeuge sei über euch und damit ihr Zeugen

seiet über die Menschen. Drum verrichtet das Gebet und zahlet die Zakat und

haltet fest an Allah. Er ist euer Gebieter. Ein vortrefflicher Gebieter und ein

vortrefflicher Helfer!

 

Es gibt eine Ausnahme im Koran, in welcher Gott explizit ein

Volk erwähnt; in der Sura al-Quraysch. Ließt man die Sure, so könnte man zu dem

Schluss kommen, das Gott hier ein Volk bevorzugt. Doch der Name

"Quraysch" ist ein Paradebeispiel, für die Weisheit Gottes. Woher

kommt der Name Quraysch?

"Quraysch" kommt von "taqarrusch", was

bedeutet: "Menschen aus verschiedenen Entfernungen sammeln/zusammen

bringen". Somit ist die ungefähre Bedeutung: Sammlung aus Menschen

verschiedener Herkunft.

Dadurch wird klar, dass die Quraysch ein Stamm waren, in

welchem Menschen verschiedenster Herkunft, ihre Heimat fanden. Gott segnete die

Quraysch aufgrund ihrer Gottesfurcht, nicht weil sie schlicht die Quraysch

waren. Zudem kommt, dass Leute der Quraysch Angehörige anderer Stämme

heirateten.

 

Es ist zu beobachten, dass viele Muslime in Deutschland an dem

festhalten, was sie von ihren Eltern und Vorfahren vermittelt bekommen haben,

ohne darüber nachzudenken ob dies islamisch ist oder nicht. Auch hier lehrt uns

der Koran, durch den Propheten Abraham, welcher sich in einer ähnlichen

Situation befand.

 

60:4, 5

Ihr habt bereits ein vortreffliches Beispiel an

Abraham und denen mit ihm, da sie zu ihrem Volke sprachen: «Wir haben nichts

mit euch zu schaffen noch mit dem, was ihr statt Allah anbetet. Wir verwerfen

euch. Und zwischen uns und euch ist offenbar für immer Feindschaft und Hass

entstanden, bis ihr an Allah glaubt und an Ihn allein» – abgesehen von Abrahams

Wort zu seinem Vater: «Ich will gewiss für dich um Verzeihung bitten, obwohl

ich nicht die Macht habe, bei Allah für dich etwas auszurichten.» (Sie

beteten:) «Unser Herr, in Dich setzen wir unser Vertrauen und zu Dir kehren wir

reuig um, und zu Dir ist zuletzt die Einkehr.

 

Unser Herr, mache uns nicht zum Stein des

Anstoßes für die Ungläubigen, und vergib uns, unser Herr, denn Du, und Du

allein, bist der Allmächtige, der Allweise.»

 

26:73, 74

Oder nützen sie oder schaden sie euch?»

 

Sie sprachen: «Nein, aber wir fanden unsere Väter

bei dem gleichen Tun.»

 

Vorerst sei angemerkt, dass es hier um das Anbeten von Götzen

geht. Shirk ist selbstverständlich eine weitaus größere Sünde als der

Nationalismus. Dennoch gibt es unterschiedliche Abstufungen, was Shirk

betrifft. Denn wir sind erschaffen, um Gott zu dienen, wer nun etwas anderem

dient, begeht Shirk. So liest man zum Beispiel in Sure Ar-Rum, Vers 29:

 

Doch die Ungerechten folgen ohne Wissen ihren

persönlichen Neigungen. Und wer kann den leiten, den Allah zum Irrenden

erklärt? Für solche wird es keine Helfer geben.

 

Das führt uns zurück, zu den oben zitierten Versen. Gott lehrt

uns also, dass wir ein vortreffliches Beispiel in Abraham finden. Als dieser

seinen Vater und dessen Volk die Frage stellt, ob denn der Shirk ihm etwas

nütze antwortet er mit Nein, sein Vater hätte aber das Selbe getan. Daraus kann

man ersehen, dass der Islam verschiedene Bräuche aus vorislamischer Zeit

abschaffte, es aber dennoch viele Menschen gab (und heute gibt) die diese

weiter ausführten, weil sie es nicht anders kennen und ihnen diese Bräuche

vertrauter sind, als der Islam selbst. Ein Brauch war der Nationalismus, mit

dem der Islam brach, wie wir in folgenden Versen sehen werden:

 

49:13

O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib

erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen

möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch

der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig.

 

Dieser Vers wurde nach der Eroberung Mekkas herabgesandt.

Muhammad beauftragte Bilal ibn Rabah al-Habaschi, den ersten Muezzin, welcher

ein schwarzer Sklave war, auf dem Dach der Kaaba zum Gebet zu rufen. Einige

Anwesenden hatten Unmut darüber da er schwarz war und zugleich ein Sklave. Der

Sira zufolge, wurde aufgrund dieses Ereignisses folgender Vers herabgesandt:

 

3:103

Und haltet euch allesamt fest am Seile Allahs;

und seid nicht zwieträchtig; und gedenket der Huld Allahs gegen euch, als ihr

Feinde waret. Alsdann fügte Er eure Herzen so in Liebe zusammen, dass ihr durch

Seine Gnade Brüder wurdet; ihr waret am Rande einer Feuergrube, und Er bewahrte

euch davor. Also macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr

rechtgeleitet seiet.

 

3:105

Und seid nicht wie jene, die zwieträchtig wurden

und uneins, nachdem ihnen klare Beweise zuteil geworden. Und ihnen wird schwere

Strafe.

 

Auch der Sinn dieser Verse kann durch Hadithe noch besser

illustriert werden:

 

In der Sira gibt es viele Beispiele wo Muhammad die

zurückgewiesen hat, die den Nationalismus / Stammestum / Rassismus hochhielten.

Ein Beispiel wäre der Fall, wo eine Partei der jüdischen Stämme sich

verschworen hatte um zwischen den

Muslimen Uneinigkeit zu stiften, als sie sahen dass die Stämme der Aus und

Khazradsch den Islam annahmen. Sie schickten einen Jungen los, der sie an die

Schlacht von Buath erinnern sollte wo der Stamm der Aus, den Stamm der

Khazradsch besiegt hatte. Der Junge aus dem jüdischen Stamm rezitierte

Gedichte, um diese Rivalität zwischen den zwei Stämmen anzustacheln. Als

Resultat daraus folgte ein Ruf zu den Waffen.

Als diese Nachrichten den Gesandten Gottes erreichten, sagte er:

„Oh ihr Muslime, erinnert euch an Allah, erinnert euch an Allah. Wollt ihr

wie die Heiden handeln während ich unter euch (noch) anwesend bin und nachdem

euch Allah zum Islam rechtgeleitet hat, euch damit ausgezeichnet hat und damit

eine klare Trennung mit dem Heidentum gemacht hat und er euch damit vom Kufr

entbunden hat und euch damit zu Freunden gemacht hat?"

Als die Aus und Khazradsch das hörten weinten sie und umarmten einander.

 

Ibn Taymiyyah sagte:

" Alles, was dem Ruf (der Da'wah) des Islams

und des Korans fremd ist, in Hinblick

auf die Abstammung, Land, Nationalität, Rechtschulen und Mythologien, so ist

dies von den Rufen der Tage der Unwissenheit (Jaahiliyyah). Einmal stritten die

Muhaajiriin und die Ansaar, so dass einer der Muhaajiriin sagte: 'O

Muhaajiriin!' (er meinte kommt helft mir) Und einer der Ansaar sagte: 'O

Ansaar!' Als der Prophet dies hörte, sagte er: 'Ist es wirklich so, dass ihr

mit den Rufen der Jahiliyyah ruft, während ich noch unter euch weile?!'

(Überliefert bei al Bukhaarii (8/137))

 

Dadurch wird klar ersichtlich, dass man die Menschen nicht

anhand ihrer Herkunft beurteilen darf! Innerhalb einer islamischen Gesellschaft

unterscheidet man die Menschen nur anhand ihrer Frömmigkeit, nicht anhand ihrer

Herkunft! Glücklicherweise, konnte in diesem Fall ein bewaffneter Konflikt

verhindert werden - jedoch kam es durch Nationalismus in der Weltgeschichte

schon oft zu Kriegen. Unter Anderem zwischen den Ansaar und Muhajirin.

 

Unter diesen Vorraussetzungen kann man folgenden Vers

verstehen:

 

48:26

Als die Ungläubigen in ihren Herzen

Parteilichkeit hegten, - die Parteilichkeit der Zeit der Unwissenheit, senkte

Allah auf Seinen Gesandten und auf die Gläubigen Seine Ruhe und ließ sie

festhalten an dem Grundsatz der Gerechtigkeit, und wohl hatten sie Anspruch

darauf und waren seiner würdig. Und Allah weiß alle Dinge.

 

Wenn hier von "Parteilichkeit der Zeit der

Unwissenheit" gesprochen wird, ist das die Übersetzung des arabischen

Wortes "Jaahiliyyah". Damit ist nicht nur Nationalismus gemeint,

Jaahiliyyah ist generell der Aufruf zu etwas, was in der vorislamischen Zeit

gelebt wurde - so auch der Nationalismus, welcher von Gott verboten worden ist,

wie wir gesehen haben. So fordert Gott die Muslime in diesem Vers auf nicht

parteiisch zu sein, denn das widerspricht dem Grundsatz der Gerechtigkeit - dem

Grundsatz des Islam.

 

Was dennoch viele Eltern daran hindert ihren Kindern eine

Hochzeit mit einem Ehepartner anderer Herkunft zu ermöglichen, ist die Angst

vor der Reaktion der Familie, beziehungsweise des sozialen Umfeldes.

 

33:37

Und (gedenke der Zeit) da du zu dem sprachst, dem

Allah Gnade erwiesen hatte und dem (auch) du Gnade erwiesen hattest: «Behalte deine

Frau für dich und fürchte Allah.» Und du verbargest in deiner Seele, was Allah

ans Licht bringen wollte, und du fürchtetest die Menschen, während Allah mehr verdient,

dass du Ihn fürchtest. Dann aber, als Zaid tat, was er mit ihr zu tun wünschte, verbanden

Wir sie ehelich mit dir, damit für die Gläubigen keine Beunruhigung bestünde in Bezug auf

die Frauen ihrer angenommenen Söhne, wenn sie ihren Wunsch ausgeführt haben. Allahs

Ratschluss muss vollzogen werden.

 

Viele Muslime fürchten sich tatsächlich mehr vor ihrem Umfeld,

als vor Gott - besser gesagt: Die Angst ist nicht die gleiche und trotzdem ist

die Angst vor der Reaktion anderer Leute oft stärker vorhanden. Viele Muslime

blenden den Tod - welcher Bestandteil des Lebens ist - aus und so scheint ein

mögliches Ableben weit entfernt zu sein. Dadurch wird die Furcht vor Menschen

größer, als die vor Gott, da eine Reaktion dieser einen selbst sofort betreffen

könnte, während eine Strafe im Jenseits noch irrational weit entfernt scheint.

Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Menschen sich der Schwere ihres

Vergehens überhaupt nicht bewusst sind. Sie empfinden es nicht als verwerflich,

wenn sie eine Hochzeit auf Grund einer Nationalität verbieten. Ihre

Nationalität und ihre Tradition sind so stark verinnerlicht, dass diese wie ein

Käfig ihr Handeln umschließen. Hier wird Islam mit Tradition vermischt, was

dazu führt, dass viele Muslime ihr Verhalten sogar für rechtens empfinden.

 

Oftmals, ist es nicht leicht die Wahrheit zu akzeptieren,

besonders wenn sie die eigene Realität bedroht. Wenn über Generationen hinweg

die eigene Nationalität bevorzugt wurde und andere Nationalitäten abgelehnt

wurden, obwohl die Angehörigen dieser auch Muslime sind, dann ist dieses

Handeln sehr tief verankert. Das Gehirn bedarf eines klaren

"Fahrplans". Wird dieser aus dem Gleichgewicht gebracht, neigt man

dazu den störenden Faktor auszublenden. Sollte man allerdings bis hier gelesen

haben, kann man nicht mehr leugnen, dass der Islam Nationalismus ablehnt. Eine

Ablehnung von Nationalismus bedeutet nicht, dass gleichzeitig ein

traditioneller Lebensstil abgelehnt wird, jedoch muss man verstehen, dass der

Islam und seine Lehre an erster Stelle stehen - danach folgt die eigene

Tradition.

 

Um aufzuzeigen, dass Nationalismus haram ist und um die Gründe

dafür besser nachzuvollziehen, werde ich weitere Hadithe anführen und damit das

Kapitel "Was ist Patriotismus? Wie wird dieses Phänomen in Koran und

Sunna beschrieben?" beenden. Die Hadithe werden meist sunnitischen

Quellen entstammen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Muslime die Hadithe oder

die Sunna ablehnen, keine Sünde begehen, wenn sie nationalistisch oder patriotisch

handeln, denn auch der Koran lehnt dies ab.

 

Der Prophet sagte:

"Sicher ist, dass

die menschlichen Geschöpfe von der Zeit Adams bis jetzt wie Zähne eines Kammes

sind. Es gibt keine Überlegenheit von Arabern über Nicht-Araber oder von

Rothäutigen über Schwarzhäutigen außer in Frömmigkeit"

(Mustadrak – ul- Wasaaìl, Vol 12, Seite 89)

 

Der Prophet sagte:

"Oh Ali, auf dem Weg des Islam hat Allah die

Arroganz und das Stolzsein auf die Vorfahren, das vor der islamischen Ära

befolgt wurde, weggenommen. Alle Menschen sind Nachkommen Adams, der durch Erde

erschaffen wurde. Der ehrwürdigste unter ihnen ist nach Allahs Sicht der Frömmste."

(Al-Mawaaizh, Seite 79 (Englische Version))

 

Hier wird noch einmal ersichtlich: Das Stolzsein auf seine

Vorfahren stammt aus einer Zeit, in der der Islam noch nicht verkündet war.

Indem man stolz auf seine Nationalität ist und diese als hochwertiger als eine

andere Herkunft darstellt, vergisst man gleichzeitig, dass jeder Mensch dieselbe

Abstammung hat. Indem man sagt "Ich bin Türke", "Ich bin

Deutscher", "Ich bin Ägypter" spaltet man die islamische

Gesellschaft. Richtig wäre "Ich bin Muslim!", denn im Islam spielt

die Herkunft keine Rolle. Um es mit den Worten des Propheten zu sagen:

 

"Das Beispiel der Gläubigen in ihrer

gegenseitigen Liebe und Barmherzigkeit für einander ist wie das Beispiel eines

Körpers: Wenn ein Teil des Körpers Schmerz erleidet, dann leidet der ganze

Körper an Schlaflosigkeit und Fieber."

(al-Bukhaarii (Nr. 6011) und Muslim (Nr. 2586) von dem Hadiith von an-Nu'maan Ibn Baschiir)

 

Momentan erleben wir, dass muslimische Länder sich gegenseitig

bekämpfen. Saudi-Arabien ist nicht einmal bereit Flüchtlinge aus benachbarten

Ländern aufzunehmen und verwehrt iranischen Muslimen an der Hajj teilzunehmen.

Während die Infrastruktur mehrerer islamischer Länder zerstört wird und das

Leid der dort lebenden Menschen ins Unermessliche steigt, schweigen die

Staatspräsidenten der Golfstaaten, die sich als Muslime bezeichnen.

In Saudi-Arabien erhält man viel Geld, wenn man jemand

heiratet, der dieselbe Nationalität trägt. Auch ohne Geld zu erhalten gibt es

trotzdem unzählige Muslime, die ihren Kindern die Heirat mit einem Angehörigen

anderer Nationalität verbieten. Anscheinend wissen sie nicht, wie schlimm ihr

Vergehen ist:

 

Der Gesandte Allahs sagte in einer

Überlieferung von Abu Dawud und Tirmidhi:

"Allah hat euch zweifellos den Stolz und die Arroganz aus der Zeit der Dschahaliyya

(vorislamische Zeit) und die Glorifizierung der Vorfahren genommen. Nun gibt es

zwei Arten von Menschen. Die einen sie sind Muminun (Gläubige) die vor denen

gefeit sind die die Gesetze Allahs übertreten und falsch handeln. Sie sind die

Kinder Adams und Adam wurde aus irdischem Material gemacht. Die Menschen sollen

ihren Stolz in Nationen/Stämme/Völker ablegen weil dass ist die Kohle von den

Kohlen des Höllenfeuers. Wenn diese Leute davon nicht ablassen, dann wird Allah

sie für weniger halten als ein Wurm der sich selbst durch Khara (Dung)

windet."

 

Man muss sich einmal vorstellen, was erreicht werden könnte,

wenn die islamisch-geprägten Staaten dieser Welt zusammenhalten - und

zusammenarbeiten würden. Muslime machen mehr als 20% der Weltbevölkerung aus.

Leider beschränkt sich das Denken der Muslime nur auf das Land in dem sie leben

- wenn überhaupt. Würden die islamischen Länder der Welt politisch sowie

ökonomisch zusammenarbeiten, wäre die Armut in vielen Ländern bald vergessen

und die Ausbeutung durch westliche Länder hätte ein Ende.

 

Der Prophet sagte:

"Wer den Gehorsam unterlässt und sich von

der Jama'ah (Gemeinschaft) abspaltet und dann stirbt, so stirbt er den Tod

(eines Todes) der Tage der Unwissenheit (Jahiliyyah). Wer unter der Flagge der

Blinden kämpft, aus 'asabiyyah (Zusammenhalt in einer Gesellschaft) wütend

wird, und dazu aufruft, oder es unterstützt und dann stirbt, so stirbt er den

Tod (eines Todes) der Tage der Unwissenheit (Jahiliyyah)."

(Überliefert bei Muslim in seinem Sahih (6/21), von Abu Hurairah)

 

 

 

 

2. Welche Kriterien sind bei der Auswahl des Ehepartners von Priorität?

 

 

Das Ablehnen eines Ehepartners auf Grund der Nationalität ist

verboten - umso wichtiger ist es zu wissen, nach welchen Kriterien man seinen

Partner auswählen sollte. Grundsätzlich wird zwischen Mumin und Muschrik

unterschieden. Mumin bedeutet in diesem Fall "gläubig", während Muschrik Polyisten sind,

also auch Leute die zum Beispiel Geld oder einen "Pop-Star" verehren.

 

5:5

Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer,

denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, wie auch eure Speise ihnen

erlaubt ist. Und keusche Frauen der Gläubigen (Mumin) und keusche Frauen derer,

denen vor euch die Schrift gegeben wurde, wenn ihr ihnen ihre Morgengabe gebt,

nur in richtiger Ehe und nicht in Unzucht, noch dass ihr heimlich Buhlweiber

nehmt. Und wer den Glauben verleugnet, dessen Werk ist sonder Zweifel zunichte

geworden, und im Jenseits wird er unter den Verlierenden sein.

 

2:221

Und heiratet nicht Götzendienerinnen (Muschrik), ehe sie gläubig

geworden; selbst eine gläubige Sklavin (Mumin) ist besser als eine

Götzendienerin (Muschrika), so sehr diese euch gefallen mag. Und verheiratet

(keine gläubigen Frauen) mit Götzendienern (Muschrik), ehe sie gläubig

geworden; selbst ein gläubiger Sklave (Mumin) ist besser als ein Götzendiener

(Muschrik), so sehr dieser euch gefallen mag. Jene rufen zum Feuer, Allah aber

ruft zum Paradies und zur Vergebung durch Sein Gebot. Und Er macht Seine

Zeichen den Menschen klar, auf dass sie sich ermahnen lassen.

 

60:10

O die ihr glaubt, wenn gläubige Frauen (Mumin) als Flüchtlinge

zu euch kommen, so prüfet sie. Allah weiß am besten, wie es um ihren Glauben bestellt

ist. Wenn ihr sie dann gläubig erfindet, so schicket sie nicht zu den

Ungläubigen (Kafir) zurück. Diese Frauen (Mumin) sind ihnen (Kafir) nicht

erlaubt, noch sind sie diesen Frauen erlaubt. Jedoch zahlet (ihren ungläubigen

Ehemännern) das zurück, was sie (für sie) ausgegeben haben. Und es ist keine

Sünde für euch, sie zu heiraten, wenn ihr ihnen ihre Mitgift gegeben habt. Und

haltet nicht am Eheband mit den ungläubigen Frauen (Kafir) fest, sondern

verlangt das zurück, was ihr (für sie) ausgegeben habt, und lasst (die

Ungläubigen) zurückverlangen, was sie (für sie) ausgegeben haben. Das ist

Allahs Gebot. Er richtet zwischen euch. Und Allah ist allwissend, allweise.

 

An dieser Stelle muss man noch einmal zwischen Muschrik und

Kafirun unterscheiden. Muschrik kann man im weitesten Sinne als Polyisten

bezeichnen, während Kafirun Menschen sind, die Gott ablehnen, beziehungsweise

den Islam bekämpfen. In den letzten drei Versen, kann man erkennen, dass hier

die Rede von Mumin-Frauen ist (gläubige Frauen), nicht von muslimischen Frauen.

Das heißt, es wäre für eine Mumin-Frau vorerst nicht verboten, ein

nicht-islamischen Mann zu heiraten, solange dieser kein Muschrik oder Kafir

ist, denn diese sind zur Ehe verboten.

Das heißt vereinfacht: Frauen dürfen nur gläubige Muslime heiraten, oder

Männer die keine Götzendiener sind. Männer hingegen dürfen nur Frauen heiraten,

die Muslima sind, oder dem Christen - oder Judentum angehören.

 

Für die Auswahl des Ehepartners gelten noch weitere

Vorschriften, wie man folgenden Ayat entnehmen kann:

 

4:22

Und heiratet nicht solche Frauen, die eure Väter geheiratet

hatten, außer das sei bereits geschehen. Es war schändlich, zornerregend – ein

übler Brauch!

 

4:23

Verboten sind euch eure Mütter und eure Töchter und eure

Schwestern, eures Vaters Schwestern und eurer Mutter Schwestern, die

Bruderstöchter und die Schwestertöchter, eure Nährmütter, die euch gesäugt, und

eure Milchschwestern, und die Mütter eurer Frauen und eure Stieftöchter – die

in eurem Schutze sind – von euren Frauen, denen ihr schon beigewohnt; doch wenn

ihr ihnen noch nicht beigewohnt habt, dann soll’s euch keine Sünde sein. Ferner

dir Frauen eurer Söhne, die von euren Lenden sind; auch daß ihr zwei Schwestern

gleichzeitig habt, außer das sei bereits geschehen; wahrlich, Allah ist

allverzeihend, barmherzig.

 

4:24

Und (verboten sind euch) verheiratete Frauen, ausgenommen

solche, die eure Rechte besitzt. Eine Verordnung Allahs für euch. Und erlaubt

sind euch alle anderen, dass ihr sie sucht mit den Mitteln eures Vermögens, nur

in richtiger Ehe und nicht in Unzucht. Und für die Freuden, die ihr von ihnen

empfanget, gebt ihnen ihre Morgengabe, wie festgesetzt, und es soll keine Sünde

für euch liegen in irgend etwas, worüber ihr euch gegenseitig einigt nach der

Festsetzung (der Morgengabe). Wahrlich, Allah ist allwissend, allweise.

 

Wie man unschwer erkennen kann, gibt es zwar Vorschriften zur

Regelung der Ehe, jedoch keine, die die Nationalität eines werdenden

Ehepartners in irgendeiner Weise betreffen. Gott unterscheidet zwischen den

Menschen, in Mumin, Muschrik und Kafir, aber mit Sicherheit nicht in der

Nationalität.

 

Es gibt im Koran noch zwei weitere Verse, die die Ehe

betreffen, diese spielen zwar nicht auf die Nationalität an, der Vollständigkeit

wegen möchte ich diese jedoch nicht vorenthalten:

 

24:3

Ein Ehebrecher wohnt nur einer Ehebrecherin oder einer

Götzendienerin bei, und eine Ehebrecherin wohnt nur einem Ehebrecher oder

Götzendiener bei; den Gläubigen ist das verwehrt.

 

24:32

Und verheiratet eure Witwen und die (heirats-) fähigen unter

euren Sklaven (Kriegsgefangenen), männliche wie weibliche. Wenn sie arm sind,

so wird Allah sie aus Seiner Fülle reich machen, denn Allah ist freigebig,

allwissend.

 

Ich denke, es bedarf hier keines weiteren Kommentars.

 

Über die Heirat gibt es natürlich auch zahlreiche Hadithe, ich

möchte folgenden anführen, der die Bedingungen für eine Ehe meiner Meinung nach

perfekt definiert:

 

Der Prophet Muhammad sagte:

"Wenn euch der Heiratsantrag (eines Mannes) überbracht wird, mit dessen Deen und

Akhlaaq (Charakter) ihr zufrieden seid, dann schließt die Ehe. Tut ihr dies nicht, dann

wird es Fitnah auf der Erde geben und große Korruption."

(At-Tirmidhi, an-Nikaah, 1004; als hasan von al-Albani in Sahih Sunan al-Tirmidhi', Nr. 865 eingestuft.)

 

Dieser Hadith legt nahe, dass es fatale

Folgen haben kann, wenn man sich nicht an die Gebote des Koran hält und einem

andere Dinge wie zum Beispiel Nationalität oder Reichtum wichtiger sind als

Charakter und Glaube. Da die Gesellschaft auf einem intakten Zustand der

Familie aufbaut, können falsche Interessen bei der Auswahl des Ehepartners eine

Gesellschaft von innen heraus zerstören.

 

Nun sollte man meinen, dass man seinem

Glauben zu Liebe von persönlichen Neigungen, wie dem Patriotismus absieht

absieht, doch bei manchen Menschen sitzt dieser Shirk so tief, dass sie ihre

Kinder sogar zwingen wollen, einen Angehörigen der selben Nationalität, oder

des selben Stammes zu heiraten. Auch hierauf gibt die Sunna uns eine Antwort, beziehungsweise

ein Beispiel:

 

Hansa' Bint Hidam al-Ansariya berichtet:

Mein Vater verheiratete mich als ältere Frau gegen meinen Willen. Da ging ich

zum Gesandten Gottes, und er erklärte die Heirat für ungültig.

(Al-Buhari, Die Sammlung der Hadithe, Seite 344, Nr. 21, Reclam)

 

Bevor man seine eigenen Interessen über

die seines Kindes stellt, sollte man sich fragen, ob diese in ihrer

theoretischen Umsetzung überhaupt helal sind.

 

 

 

 

3. Grundsätzliches Verhalten gegenüber den Eltern

 

 

Für jedes Miteinander, welches auf Respekt

und Frieden beruht gibt es einen bestimmten Verhaltenskodex. Dieser bildet die

Basis für ein Familienleben - auch im Konflikt. Bevor man also darüber

nachdenkt, wie man mit seinen Eltern in einer Streitsituation umgeht, muss man

sichergehen verstanden zu haben, wie man sich grundsätzlich verhalten sollte.

Dieser "Kodex" wird im Koran immer wieder an verschiedener Stelle

wiederholt:

 

2:83

Und (gedenket der Zeit) da Wir einen Bund schlossen mit den

Kindern Israels: «Ihr

sollt nichts anbeten denn Allah; und Güte (erzeigen) den Eltern und den

Verwandten und den Waisen und den Armen; und redet Gutes zu den Menschen und

verrichtet das Gebet und zahlet die Zakat.» Ihr aber kehrtet euch späterhin ab

in Widerwillen, bis auf einige wenige von euch.

 

4:36

Verehrt Allah und setzet

Ihm nichts zur Seite, und (erweiset) Güte den Eltern, den Verwandten, den Waisen

und den Bedürftigen, dem Nachbarn, der ein Anverwandter, und dem Nachbarn, der

ein Fremder ist, dem Gefährten an eurer Seite und dem Wanderer und denen die eure

Rechte besitzt. Wahrlich, Allah liebt nicht die Stolzen, die Prahler;

 

6:151

Sprich: «Kommt her, ich will vortragen, was euer Herr euch

verboten hat»: Ihr sollt

Ihm nichts zur Seite stellen, und Güte (erzeigen) den Eltern; und ihr

sollt eure Kinder nicht töten aus Armut, Wir sorgen ja für euch und für sie.

Ihr sollt euch nicht den Schändlichkeiten nähern, seien sie offen oder

verborgen; und ihr sollt nicht das Leben töten, das Allah unverletzlich gemacht

hat, es sei denn nach Recht. Das ist es, was Er euch geboten hat, auf dass ihr

begreifen möget.

 

17:23

Dein Herr hat geboten: «Verehret keinen denn Ihn, und (erweiset) Güte den Eltern.

Wenn eines von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, sage nie

“Pfui!” zu ihnen, und stoße sie nicht zurück, sondern sprich zu ihnen ein

ehrerbietiges Wort.

 

Da das Gebot der Güte direkt hinter der Aufforderung kein Shirk

zu begehen steht, ist es von enormer Wichtigkeit. Wer also seine Eltern nicht

mit Güte behandelt begeht eine große Sünde - die Wiederholung dieser Verse

betont das.

Auch in diesem Fall sind uns die Propheten ein Vorbild, genauer

gesagt Isa und Salomo:

 

19:14 Isa

Und ehrerbietig gegen seine Eltern. Und er war nicht

hochfahrend, trotzig.

 

19:32 Isa

Und (Er machte mich) ehrerbietig gegen meine Mutter; Er hat mich

nicht hochfahrend, elend gemacht

 

27:19 Salomo

Da lächelte er heiter über ihre Worte und sprach: «Mein Herr,

gib mir ein, dankbar zu sein für Deine Gnade, die Du mir und meinen Eltern

gewährt hast, und Gutes zu tun, das Dir wohlgefällig sei, und nimm mich, durch

Deine Barmherzigkeit, unter Deine rechtschaffenen Diener auf.»

 

Jedoch besteht in der islamischen Gesellschaft ein großes Missverständnis,

was den Gehorsam gegenüber den Eltern betrifft. Viele Muslime sind der Ansicht,

man dürfe seinen Eltern nichts entgegnen, egal was diese gebieten. Viele

Muslime glauben, es sei eine Sünde seinen Eltern zu widersprechen. Allerdings

weist diese Denkweise verschiedene Fehler auf. Zum einen sind es nicht die

Eltern, welche die erste Instanz bilden, es ist Gott: Es gilt, seine Gebote zu

befolgen, erst danach folgen Wünsche und Gebote der Eltern, die mit den Gottes

konform sein müssen. Zum anderen schließt eine auf Ehrerbietigkeit und Nachgiebigkeit

beruhende Beziehung zu seinen Eltern nicht aus, diesen zu widersprechen, oder

diese zu kritisieren. Sollte man seine Eltern aus Güte auf ihre Fehler

hinweisen, damit diese Handlungsweisen ablegen, die möglicherweise Gott zuwider

sind, oder sollte man so tun, als würde man Gottes Gebote nicht kennen, damit

man seine Eltern in ihrer falschen Handlung nicht stört?

 

Wie angekündigt, gibt es zwei Verse bezüglich des Verhaltens

gegenüber den Eltern, welche durchgängig wiederholt werden. Der zweite

beschreibt den Grund für die gebotene Güte gegenüber den Eltern:

 

17:24

Und neige gütig gegen sie den Fittich der Demut und sprich:

“Mein Herr, erbarme Dich ihrer, so wie sie mich als Kleines betreuten.”»

 

31:14

Und Wir haben dem Menschen für seine Eltern ans Herz gelegt – seine Mutter trug ihn in

Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung erfordert zwei Jahre -: «Sei dankbar Mir und deinen

Eltern. Zu Mir ist die Heimkehr.

 

46:15

Wir haben dem Menschen Güte gegen seine Eltern zur Pflicht

gemacht. Seine Mutter trug

ihn mit Schmerzen, und mit Schmerzen gebar sie ihn. Und ihn zu tragen

und ihn zu entwöhnen erfordert dreißig Monate, bis dann, wenn er seine

Vollkraft erlangt und vierzig Jahre erreicht hat, er spricht: «Mein Herr, sporne mich an,

dankbar zu sein für Deine Gnade, die Du mir und meinen Eltern erwiesen hast,

und Rechtes zu wirken, das Dir wohlgefallen mag. Und lass mir meine

Nachkommenschaft rechtschaffen sein. Siehe, ich wende mich zu Dir; und ich bin

einer der Gottergebenen.»

 

Frauen die noch kein Kind geboren haben, können sich nicht

vorstellen, welche Schmerzen eine Frau während und nach der Geburt ertragen

muss, seien sie physischer oder psychischer Natur - Männer werden es nie

können. Es gibt kaum einen Prozess, der so kraftraubend sein kann, wie die

Erziehung eines Kindes - ohne die Fürsorge der Mutter ist es einem Kind

unmöglich zu überleben und so sind wir alle auf unsere Mütter angewiesen. Im

Gegenzug jedoch, sind auch unsere Mütter auf uns angewiesen. Da sie sich für

uns mit einem großen Teil ihrer Energie aufgeopfert haben, ist es

selbstverständlich, dass wir als Heran - oder Erwachsende einen Teil unserer

Energie zurückgeben um uns um unsere Mütter zu kümmern und um ihnen mit der

gleichen Fürsorge und Liebe zu begegnen wie sie es uns sind - denn ihnen,

unseren Vätern und der Kraft Gottes verdanken wir unser diesseitiges Leben.

Unsere Mütter sind nicht fehlerfrei, jedoch sollten wir die Güte besitzen, über

ihre Fehler die das Diesseits betreffen hinweg zu sehen. Und auf Grund dieser,

eben beschriebenen Vorgänge ist es zu erklären, das wir eine ganz spezielle Beziehung

zu unseren Müttern haben, so wie sie unsere Propheten schon erklärten.

 

Natürlich gibt es auch neben diesen sich wiederholenden Versen

noch Andere, die die Beziehung zwischen Eltern und Kind beschreiben, welche ich

nicht vorenthalten möchte:

 

2:233

Und (die geschiedenen) Mütter sollen ihre Kinder zwei volle

Jahre säugen, so jemand will, die Säugung vollständig zu machen. Und der Vater

soll für ihre (der Mütter) Nahrung und Kleidung aufkommen nach Billigkeit.

Niemand werde belastet über sein Vermögen. Die Mutter soll nicht bedrängt werden wegen ihres Kindes,

noch soll der Vater bedrängt werden wegen seines Kindes; und dasselbe obliegt

dem Erben. Entscheiden sie sich, nach gegenseitigem Einvernehmen und

Beratung, für Entwöhnung, dann trifft sie kein Vorwurf Und wenn ihr wünschet,

eure Kinder säugen zu lassen, dann soll euch kein Vorwurf treffen, gesetzt, ihr

zahlt den ausbedungenen Lohn nach Billigkeit. Und fürchtet Allah und wisset, dass

Allah euer Tun sieht.

 

20:40

Da deine Schwester gegangen kam und sprach: “Soll ich euch

jemanden weisen, der ihn betreuen würde?” So gaben Wir dich deiner Mutter wieder, dass ihr Auge

gekühlt werde und sie sich nicht gräme. Und du erschlugst einen

Menschen, Wir aber erretteten dich aus der Trübsal. Dann prüften Wir dich auf

mannigfache Art. Und du verweiltest jahrelang unter dem Volke von Midian. Dann

gelangtest du zu der Stufe, o Moses.

 

2:180

Vorgeschrieben ist euch: Wenn einem unter euch der Tod naht, so

binde (er), falls er viel Gut hinterlässt, den Eltern und nahen Verwandten das

Handeln nach Billigkeit ans Herz – eine Pflicht den Gottesfürchtigen.

 

2:215

Sie fragen dich, was sie spenden sollen. Sprich: «Was ihr

spendet an gutem und reichlichem Vermögen, das sei für Eltern und nahe

Angehörige und für die Waisen und Bedürftigen und den Wanderer. Und was ihr

Gutes tut, wahrlich, Allah weiß es wohl.»

 

14:41

Unser Herr, vergib mir und meinen Eltern und den Gläubigen am

Tage, an dem die Abrechnung stattfinden wird.»

 

71:28

Mein Herr, vergib mir und meinen Eltern und dem, der mein Haus

gläubig betritt, und den gläubigen Männern und den gläubigen Frauen; und mehre

die Frevler in nichts als in der Vernichtung.»

 

Ich denke, beim Lesen dieser Ayat ist jedem ersichtlich

geworden, dass die Eltern in weltlichen Dingen immer an erster Stelle

stehen.

 

Nun folgt ein Teil, in welchem ich erklären möchte wie man

seinen Eltern mit Kritik entgegnen

kann wenn diese bestimmte koranische Gebote nicht befolgen, die

einen selbst immanent betreffen.

 

 

 

 

4. Wie sollte man seinen Eltern entgegnen, wenn diese eine Heirat auf Grund der Nationalität des Ehepartners verbieten?

 

 

Um das zu erklären, möchte ich die

Beziehung zwischen Abraham und seinem Vater als Beispiel heranziehen, denn laut

Koran, haben wir in Abraham ein "vortreffliches Beispiel" (60:4). Die

Beziehung von Abraham zu seinem Vater war durch viel Streit geprägt, da dieser

nicht vom Shirk ablassen wollte und Götzen anbetete:

 

6:74

Und (denke daran) wie Abraham zu seinem Vater Ázar sprach:

«Nimmst du Götzenbilder zu Göttern? Ich sehe dich und dein Volk in offenbarer

Irrung.»

 

Für ein besseres Verständnis für das

Folgende, muss man erst einmal wissen, was zwischen Abraham und seinem Vater

vorgefallen ist. Dazu habe ich folgende Ayat ausgewählt:

 

19: 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48

Da er zu seinem Vater sprach: «O mein Vater, warum verehrst du

das, was nicht hört und nicht sieht und dir in nichts nützen kann?

 

O mein Vater, zu mir ist in Wahrheit eine Erkenntnis gekommen,

die nicht zu dir kam; so folge mir, ich will dich auf den rechten Pfad leiten.

 

O mein Vater, diene nicht Satan, denn Satan ist ein Empörer

wider den Allerbarmer

 

O mein Vater, siehe, ich fürchte, es möchte dich Strafe vom

Allerbarmer treffen, und dann wirst du ein Freund Satans werden.»

 

Er antwortete: «Verlässest du meine Götter, o Abraham? Wenn du

nicht aufhörst, so werde ich dich wahrlich steinigen. Verlasse mich auf lange

Zeit.»

 

(Abraham) sprach: «Friede sei auf dir! Ich will von meinem Herrn

Vergebung für dich erflehen: Er ist gnädig gegen mich.

 

Und ich werde mich fernhalten von euch und von dem, was ihr

statt Allah anruft; und ich will zu meinem Herrn beten; ich werde im Gebet zu

meinem Herrn bestimmt nicht enttäuscht.»

 

Nun ist es offensichtlich, dass die Vergötterung von Steinen,

oder anderen leblosen Dingen eine größere Sünde ist, als das Verbieten einer

Heirat. Dennoch gibt es mehr Parallelen zwischen diesen Vergehen, als man

zuerst glauben mag. Denn egal, wie schwerwiegend die Sünde ist, die eine Person

begeht, es bleibt immer die Pflicht eines Muslims die Wahrheit und die

Gerechtigkeit des Islams zu verteidigen. Dass Abraham in diesem Fall den von

seinem Vater begangenen Polyismus bekämpft, heißt nicht, dass wir unseren

Eltern nur entgegentreten dürfen, wenn diese zum Polyismus abfallen. Egal

welches Vergehen - egal von wem begangen - es ist die Pflicht eines jeden

Muslims, die Gerechtigkeit Gottes zu verteidigen. Gott sagt im Koran,

(sinngemäß übersetzt):

 

4:135

O die ihr glaubt, seid fest in Wahrung der Gerechtigkeit und

Zeugen für Allah, mag es auch gegen euch selbst oder gegen Eltern und Verwandte

sein. Ob Reicher oder Armer, Allah hat über beide mehr Rechte. Darum folget

nicht niedern Begierden, damit ihr billig handeln könnt. Und wenn ihr (die

Wahrheit) verhehlet oder (ihr) ausweichet, dann ist Allah wohl kundig eures

Tuns.

 

Man neigt dazu ein sehr wichtiges Detail dieser Ayah zu

überlesen: Denn die Gerechtigkeit, für welche man kämpft, ist nicht nur

gegenüber Anderen zu verteidigen, diese Aufforderung richtet sich auch gegen

einen selbst - dies passt unglaublich gut in das hier behandelte Thema. Oftmals

wissen Muslime, die nationalistisch oder patriotisch handeln, dass ihr

Verhalten nicht korrekt ist, sie geben es sogar zu, das Problem hierbei ist

allerdings, dass sie diese Erkenntnis verdrängen. Ihr ganzes Leben denken sie

nun schon so und es war klar, dass ihr Kind jemand heiraten wird, der dieselbe

Nationalität trägt und nun soll es nicht so sein. Und obwohl sie wissen, dass

es nicht ihre Kinder sind, die sich falsch verhalten, sondern sie selbst,

halten sie an ihrer stereotypen Lebensweise fest. An diesem Punkt zeigt sich,

wer wirklich gottergeben ist. Niemand behauptet, dass es einfach wäre seine

Prinzipien aufzugeben, doch ein wahrer Muslim ist ein solcher, der reinen

Herzens dem Wille Gottes folgt - auch wenn es sich gegen ihn selbst richtet.

 

Es gibt auch eine zweite Parallele,

zwischen dem Vergehen Azars und dem des Nationalismus: Beides beruht auf dem

Nachahmen der Dinge, die vorangegangene Generationen als wichtig erachtet

haben. Wenn eine Heirat verboten wird, dann oft weil die Angst besteht, man

könnte seine Wurzeln und seine Werte verlieren. Dasselbe hat auch Abrahams

Vater und sein Volk angetrieben, wie uns Gott im Koran verkündet:

 

21: 52, 53, 54

Da er zu seinem Vater und seinem Volke sprach: «Was sind das für

Bildwerke, denen ihr so ergeben seid?»

 

Sie antworteten: «Wir fanden unsere Väter bei ihrer Verehrung.»

 

Er sprach: «Wahrlich, ihr selbst sowohl wie eure Väter seid in

offenbarem Irrtum gewesen.»

 

26: 70, 73, 74

Da er zu seinem Vater und seinem Volke sprach: «Was betet ihr

an?»

 

Oder nützen sie oder schaden sie euch?»

 

Sie sprachen: «Nein, aber wir fanden unsere Väter bei dem

gleichen Tun.»

 

An diesem Punkt sollte jedem Folgendes bewusst sein: Zum Einen

bestehen große Ähnlichkeiten zwischen Shirk und Nationalismus (Nationalismus

ist in einer extremen Form sogar Shirk), zum Anderen ist es eine Pflicht für

jeden Muslim die durch den Islam entstehende Gerechtigkeit zu verteidigen, sei

es gegen die eigenen Eltern.

Ist einem all dies bewusst, stellt sich die Frage: Wie trete

ich nun meinen Eltern entgegen?

 

Als Abraham seinen Vater mit seinem Unglauben konfrontierte,

reagierte dieser äußerst aggressiv, er wollte seinen eigenen Sohn steinigen

lassen, außerdem sagte er sich los von seinem Sohn und verlangte von Abraham,

dass dieser ihn verlassen möge (19:46).

Auch Abraham fand für seinen Vater klare Worte und sagte sich

schließlich los von ihm:

 

9:114

Dass Abraham für seinen Vater um Verzeihung bat,

war nur wegen eines Versprechens, das er ihm gegeben hatte, doch als ihm klar

wurde, dass jener ein Feind Allahs sei, sagte er sich von ihm los. Abraham war

doch gewiss zärtlichen Herzens, sanftmütig.

 

21:66,67

Er sprach: «Verehrt ihr denn statt Allah das, was

euch nicht den geringsten Nutzen bringen noch euch schaden kann?

 

Pfui über euch und über das, was ihr statt Allah

anbetet! Wollt ihr denn nicht begreifen?»

 

26:77,86

Sie sind mir feind; nicht so der Herr der Welten,

 

Und vergib meinem Vater; denn er war einer der

Irrenden;

 

43:26

Und (gedenke der Zeit) da Abraham zu seinem Vater

und seinem Volke sprach: «Ich sage mich los von dem, was ihr anbetet

 

60:4

Ihr habt bereits ein vortreffliches Beispiel an

Abraham und denen mit ihm, da sie zu ihrem Volke sprachen: «Wir haben nichts

mit euch zu schaffen noch mit dem, was ihr statt Allah anbetet. Wir verwerfen

euch. Und zwischen uns und euch ist offenbar für immer Feindschaft und Hass

entstanden, bis ihr an Allah glaubt und an Ihn allein» – abgesehen von Abrahams

Wort zu seinem Vater: «Ich will gewiss für dich um Verzeihung bitten, obwohl

ich nicht die Macht habe, bei Allah für dich etwas auszurichten.» (Sie

beteten:) «Unser Herr, in Dich setzen wir unser Vertrauen und zu Dir kehren wir

reuig um, und zu Dir ist zuletzt die Einkehr.

 

So wie manche Muslime ihre Tradition teilweise der Religion

vorziehen (teilweise unwissend) zieht auch Azar die Bräuche seines Volkes dem

Islam vor. Und obwohl Abraham sich von seinem Vater lossagt und deutliche Worte

findet weißt uns Gott immer an nächster Stelle darauf hin, dass er für seinen

Vater um Verzeihung bat und um Sanftmütigkeit bemüht war. Und ich denke genau

an diesem Punkt scheitern viele Muslime, wenn sie jemanden heiraten möchten,

der Angehöriger einer anderen Tradition ist: Sie sind fester Überzeugung, dass

es haram wäre seinen Eltern zu widersprechen oder glauben ihre Ehe wird an den

Differenzen der verschieden Kulturen scheitern. Sie glauben es wäre ehrenhaft

vor Gott einen rechtschaffenen Ehepartner zurückzuweisen, um die Eltern

glücklich zu machen. Dabei vergessen sie aber, dass ihre Eltern nicht Gott

sind, sie sind auch nicht der Mittelpunkt ihres Lebens - sie sind unglaublich

wichtige Bestandteile ihres Lebens, aber den Mittelpunkt stellt der Islam dar

und der einzige Gott, dem man an erster Stelle dienen sollte.

 

Aus diesem Grund, stellt es kein Vergehen dar, wenn man seinen

Eltern nicht gehorcht - im Gegenteil, wenn man dafür ein koranisches Gebot

erfüllt ist es in keinster Weise verwerflich, es kann sogar eine Prüfung für

den Gläubigen darstellen.

Leider glauben viele Muslime, die Prüfung würde darin bestehen,

seine Eltern zu ehren und aus diesem Grund brechen sie den Kontakt mit einem

möglichen Ehepartner ab. Dass diese Reaktion in sich unlogisch ist habe ich

weiter oben schon beschrieben.

 

Im Grunde genommen, bedarf es nur weniger Worte, um die

korrekte Verhaltensweise seinen Eltern gegenüber zu beschreiben, da es so

einfach ist: Man betet nicht seine Eltern an, sondern Gott, man nimmt

zuallererst die Propheten als Vorbild, nicht seine Eltern. Befolgt man diese

einfache Rangfolge, werden weder Gewissenskonflikte zwischen Eltern und Kind

entstehen, noch zwischen Ehepartner verschiedener Herkunft. Denn sollte man auf

Grund seiner Kultur in einen Konflikt geraten, handelt man einfach nach dem

ersten gemeinsamen Nenner: dem Islam.

 

Möge uns der einzige Gott vom Begehen dieser Sünden fernhalten.

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0